Sonntag, 19. Mai 2013

Video zum Friedhof der Namenlosen

Ich habe vor einiger Zeit im Zuge meiner journalistischen Ausbildung einen Radiobericht für Ö1 Online über einen in meinen Augen sehr spannenden Wiener Friedhof gemacht. Aus diesem habe ich nun mit einigen Schnappschüssen von mir ein Video gemacht. Bekannt wurde der Friedhof der Namenlosen auch durch den Film "Before Sunrise" mit Ethan Hawke und Julie Delpy. Viel Spaß mit dem Bericht!

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Das Video gibt es auch auf YouTube.
 Euer Feedback ist willkommen und erwünscht!




Freitag, 17. Mai 2013

33 Argumente für Gott und meine Antworten

33 Argumente für Gott
Das Buch "33 Argumente für Gott" kann man sich bei Soulsaver herunterladen, einer Seite, die ich, vor dem Artikel zum selben Thema beim Wortvogel, noch nicht gekannt habe. Ich werde hier bestimmt nicht alle 33 Argumente kommentieren, dafür ist mir meine Zeit zu schade. Deshalb kommentiere ich hier nur die Highlights dieses Buches, denn so ganz uwidersprochen sollte man diese Leute, auch wenn man wie ich durchaus an die Existenz Gottes glaubt und durch das eigene Studium auch ein wenig Ahnung vom Thema hat, nicht ihren teils ziemlich großen Blödsinn unter die Menschen bringen lassen. Fangen wir gleich mal mit dem ersten Argument für Gott an:

Argument 1: Diese Welt ergibt ohne Gott keinen Sinn
Gibt es für das Leben auf der Erde eine Ursache? Oder war es ein dämlicher Zufall, dass du und ich hier existieren? Schon seit Beginn der Zeit stellen sich Menschen diese Frage, vom Wissenschaftler bis hin zu Kindern.

Diese Frage wird tatsächlich immer wieder gerne diskutiert. Natürlich postlieren die Leute von Soulsaver mit inbrünstiger Überzeugung, dass diese Welt ohne Gott gar keinen Sinn ergeben kann und er deshalb existieren muss. Nur: Das stimmt so einfach nicht. Zwar hat alles in der Natur einen Grund, allerdings kann man diesen auch finden, ohne, dass man dafür gleich Gott bemühen muss. Um mal ein Beispiel meiner früheren Religionslehrerin zu nennen (sinngemäß zitiert): "Wenn ich nach einer Begründung dafür suche, weshalb Frauen bei der Geburt Schmerzen haben, dann finde ich diese nicht im Buch Genesis und der dort ausgesprochenen Bestrafung der Frau, weil sie Adam den Apfel gegeben hat. Ich finde sie in der Tatsache, dass wir einen aufrechten Gang haben." Wieso muss ich dann bei solchen Dingen krampfhaft Gott ins Spiel bringen und irgend etwas von einem tieferen göttlichen Sinn erzählen, der bei so etwas schlicht nicht da ist?

Die Evangelien sind historisch zuverlässig
Viele Menschen reden sich ein, dass die bibel ursprünglich anders aufgeschrieben wurde, als wir sie heute vor uns haben. Ein populärer Mythos ist, dass die Bibel im Laufe der Jahrhunderte verändert wurde, der aber durch die tatsächlichen Hinweise entkräftet wird.

BWAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHA.....der war richtig gut!! Die Bibel wurde also nie verändert? Die redaktionellen Überarbeitungen sind ein "populärer Mythos"? Sind meine Professoren an der Uni also - salopp formuliert - Märchenonkel? Nehmen wir uns als Beispiel doch einmal die Auferstehungsgeschichte im Markusevangelium vor, an der man noch heute die verschiedenen Überarbeitungen wunderschön nachvollziehen kann. In den ältesten Handschriften (Codex Sinaiticus und Codex Vaticanus) endet diese mit Kapitel 16, Vers 8: "Da verließen sie (die Frauen, die das Grab Jesu leer vorfanden, Anm.) das Grab und flohen; denn Schrecken und Entsetzen hatte sie gepackt. Und sie sagten niemand etwas davon; denn sie fürchteten sich." Wer das Markusevangelium kennt, wird sicher bemerkt haben, dass danach in der heutigen Version noch ein ganzes Kapitel mit den Erscheinungen Jesu kommt. Dieser "sekundäre Schluss" wurde aber erst später hinzugefügt. Dafür gibt es zwei Theorien: Die erste besagt, dass der ursprüngliche Schluss im Lauf der Zeit verloren ging und sich ein unbekannter Autor daran machte, diesen neu zu schreiben und damit zu ersetzen. Die zweite (und in meinen Augen interessantere) besagt, dass der Evangelist Markus diesen offenen Schluss als bewusstes Stilmittel gewählt hat, spätere Generationen damit aber nicht zufrieden waren und sie ihn nach ihren Vorstellungen umschrieben. Erwähnenswert ist außerdem, dass es sogar Schriften aus dem 12. Jahrhundert gibt (siehe Minuskel 304 als Beispiel), die den älteren Schluss als tatsächliches Ende haben.
Noch ein weiteres Beispiel aus dem Johannesevangelium. Schaut euch mal die Überschrift des kurzen letzten Kapitels an: "Schlussbemerkung der Herausgeber." Der Herausgeber. Mehrzahl. Wissenschaftler gehen derzeit von mindestens einem weiteren Verfasser aus, der nachträglich zumindest das 21. Kapitel hinzugefügt hat. Noch Fragen?

Glaube und Wissenschaft schließen einander nicht aus.
Stimmt in meinen Augen. Das ist aber nicht notwendigerweise ein Argument für Gott. Schließlich kann ich genauso gut sagen, dass sich Gott und Wissenschaft zwar nicht ausschließen, ich aber dennoch nicht an Gott glauben würde. Was wurde also durch diese banale Feststellung gewonnen? Gar nichts. Außerdem: Wenn ihr schon richtigerweise sagt, dass Glaube und Wissenschaft sich nicht ausschließen, wieso negiert ihr dann - siehe oben - die Erkenntnisse der Bibelwissenschaft?

Der Glaube heilt Bitterkeit
Hier wird die Geschichte von Corrie ten Boom erzählt, die gemeinsam mit ihrer Schwester von den Nazis ins KZ Ravensbrück gebracht wurde, weil sie Juden bei sich zu Hause versteckt hatten. Ihre Schwester wurde im KZ ermordet, sie selbst überlebte. Bei einem Vortrag nach dem Krieg erkannte sie unter den Zuschauern einen der ehemaligen KZ-Wächter, der danach auch auf sie zukam und sie fragte, ob sie ihm vergeben könne, da er Christ geworden sei. Sie vergab ihm tatsächlich. Leider weiß ich nicht, wie sich diese Geschichte tatsächlich abgespielt, muss aber sagen, dass diese Handlung von Corrie ten Boom ihr selbst wohl einiges abverlangt hat. Es klingt hier nur ein wenig so, als ob sie ihm vergeben hätte, weil er nun die richtige Konfession hat (das sage ich aber nur unter starkem Vorbehalt, weil ich wie gesagt die Geschichte nicht kenne). Außerdem ist es nicht wirklich ein Argument für die Existenz Gottes, wenn ich jemandem - egal aus welchem Grund - vergebe. Es ist vielmehr ein Beweis für die Großmut und die Güte mancher Menschen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Die Prophetien über Israel haben sich exakt erfüllt
Ganz abgesehendavo, dass man hier genauso gut davon sprechen könnte, dass die Entstehung des Staates Israel von den biblischen Texten inspiriert wurde, stößt mir eine Formulierung auf Seite 23 besonders sauer auf: "...auch wenn viele Juden Jesus als Erlöser nicht erkannt haben." Hier mal eine kleine Erinnerung an die Macher: Wir glauben lediglich, dass Jesus der Erlöser ist. Das tun wir teilweise mit an Sicherheit grenzende Überzeugung. Nur: Jüdische Menschen glauben mit aus ihrer Sicht guten Gründen ebenso, dass dem nicht so ist. Wie kommt ihr nun auf die Idee, zu sagen, dass diese die Wahrheit "noch nicht erkannt" hätten? Ihr gebt doch selber zu, dass Gott für den Menschen unergründlich ist, wieso nehmt ihr euch dann das Recht heraus, einen anderen Zugang zu Gott auf diese Art und Weise herabzuwürdigen?

Historiker halten die Auferstehung für möglich
Ihr zitiert hier Pinchas Lapide, der unter anderem gesagt, dass für die rasante Wandlung der Jünger Jesu vom verzweifelten Haufen zur heilsbewussten Missionsgesellschaft viel zu schnell ging, um sie mit einer halluzination zu erklären. Das ist richtig. Nur davon gleich auf die tatsächliche Wiederauferstehung zu schließen, ist schon ein wenig an den Haaren herbeigezogen. Ihr vergesst dabei auch auf die menschliche Entschlossenheit. Was wäre, wenn sich die Jünger Jesu nach einigen Tagen größter Verzweiflung wieder gefangen hätten und sie dachten, dass sie die Botschaft dieses Mannes mit seinem Tod nicht als gestorben ansahen, sondern sie wild entschlossen waren, sie durch ihre eigene Mission wieder "auferstehen" zu lassen? Wäre das nicht auch denkbar?

Die Bibel überdauerte jeden Angriff in der Geschichte
So wie die Tora und der Koran auch, um zwei ähnliche Beispiele zu nennen. Das liegt ganz einfach daran, dass eine große Masse von Menschen die Glaubensaussagen in diesem Buch ernst nimmt und eben nicht nur daran, dass das Buch "Bibel" heißt. Außerdem: Wenn ihr sagt, dass kein anderes Buch der Bibel ähnlich sei, dann bedenkt doch bitte, dass Muslime und Juden dasselbe von ihren Heiligen Schriften denken und würdigt diese doch durch solche Aussagen nicht indirekt herab.

Thomas Graumann kann vergeben
Wieder eine Vergebungseschichte, die der von Corrie ten Boom nicht unähnlich ist. Thomas Graumann kam mit dem letzten Kinderzug von Nicholas Winton nach London und war eines von über 600 Kindern, die so vor dem Holocaust gerettet wurden. Nach dem Krieg fand er heraus, dass er der einzige Überlebende seiner Familie war. Durch seinen Glauben habe er, der in Schottland inzwischen zum Christentum konvertiert war, die Verbitterung, die bei den anderen Überlebenden vorherrschte, zu überwinden. Ohne Graumann zunahetreten zu wollen: Ich denke, dass sich der Mann durchaus bewusst ist, dass es für andere Menschen vielleicht auch andere Wege geben könnte. Das könnten sich die Autoren auch einmal vor Augen führen.

Selbst die Feinde von Jesus bezeugen übernatürliche Kräfte
Von einer Bezichtigung der Hexerei direkt zur Überzeugung, dass Jesu Feinde seine Wundertaten bezeugt haben in nur einem Satz - ein ziemlich abenteuerlicher Bogen, den ihr hier spannt, der einer genaueren Betrachtung auch nicht standhält, wenn man bedenkt, dass auch damals schon Leute der Hexerei bezichtigt wurden, nur weil sich andere davon einen Vorteil versprochen haben. Das bedeutet dann auch nicht automatisch, dass die Leute wirklich die Kühe vom Nachbarn verhext haben.

Die Handschriftenfunde der Bibel belegen ihre Glaubwürdigkeit
"Die Evangelien sind historisch zuverlässig" reloaded. Das Argument, dass es von Cäsars "Gallische Kriege" auch nur noch Abschriften gibt, ist übrigens keines. Denn erstens ist Julius Cäsar auch außerhalb dieser Schrift in ein paar undert zuverlässigen historischen Quellen als reale existierende Person belegt und zweitens gilt das auch für den Gallischen Krieg.

Die Natur spricht für einen Schöpfer
Ich dachte, dass hier nun der Kreationismus ins Spiel kommt. Stattdessen wird hier nur von "Gottes Lied" gefaselt und die Bibel zitiert. Wie wärs mit einem echten Argument beim nächsten Mal?

Exakte Voraussagen über die Kreuzigung treffen ein
Wie bereits mehrfach gesagt: Die Bibeltexte wurden mehrfach überarbeitet. Von daher kann natürlich auch davon ausgegangen werden, dass dies so geschehen ist, dass die neueren zu den älteren Texten passen. Da ist das Eintreffen von Voraussagen wahrlich keine große Kunst mehr.

Jesus rettete mich von der Ausweglosigkeit
Wie für alle anderen persönlichen Schicksale gilt auch hier: Es ist schön, dass diese Menschen durch ihren Glauben ihr Leben in den Griff bekommen haben. Ich will das wirklich nicht kleinreden. Dennoch kann man daraus keine Allgemeingültigkeit für die Menschheit ableiten. Das gilt auch für Samuel Koch.

Gott ist nicht verantwortlich für das Böse in der Welt
Ah, die Teodizee-Frage. Wie kann ein allmächtiger Gott nur all diesen Schmerz zulassen? Gute Frage und sehr schwer zu beantworten. Man könnte natürlich den freien Willen des Menschen ins Feld führen, der eben auch zulässt, dass er oder sie Böses tun kann. In "33 Argumente für Gott" wird das Pferd natürlich komplett falsch aufgezäumt. Hier wird postuliert, dass es eben Menschen gibt, die sich nicht um Gott kümmern und es deshalb das Böse in der Welt geben würde. Dass auch Atheisten gute Menschen sein können und im Gegenzug die Kreuzzüge im Namen des Herren unsagbares Leid über viele tausend Menschen gebracht haben, lässt man "gekonnt" unter den Tisch fallen.

Die Bibel ist in sich stimmig - trotz ihrer großen Autorenzahl
Die Bibel mag großteils ein für ihre große Autorenanzahl erstaunlich stimmiges Buch sein - widersprüchlich ist sie trotzdem. Man denke nur an die völlig verschiedenen Vorstellungen von Gott, die im AT und NT gezeigt werden und die ohne Erklärung nebeneinander stehen. Oder auch daran, dass Zorn angeblich ein Todsünde ist, die nur für den lieben Gott anscheinend nicht gilt, wenn ich mal an Kleinigkeiten wie die Sintflut denke. Und das ist "in sich stimmig"?

Zeugnisse außerbiblischer Quellen über Jesus
Diese gibt es durchaus. Es gibt aber keine außerbiblischen Quellen über Jesus zu seinen Lebzeiten. Ich persönlich denke aber in diesem einen Punkt ähnlich wie die Leute von "Soulsaver": Da diese Quellen aus vielen verschiedenen Ecken kommen, denke ich schon, dass man daraus auf einen historisch existierenden Jesus schließen kann. Die interessanteste Quelle wird aber ausgelassen: Das apokryphe Thomasevangelium, das von manchen sogar auf eine Entstehungszeit datiert wird, zu der Jesus noch gelebt hat (auch wenn das eher unwahrscheinlich ist).

Der Mensch hat einen Sinn für Schönheit
Ach, Tatsache? Alle Menschen haben das? Dann verstecken das aber manche sehr gut. Ernsthaft, was jeder von uns als "schön" empfindet ist doch dermaßen subjektiv, dass ich mich echt frage, was daran nun ein Argument für Gott sein soll.

Die Pascal'sche Wette
Ich halte die Argumentation von Pascal für vollkommen verfehlt. Hier eine Kurzfassung:

"Ihr sagt: Es gibt keinen Gott. Ich sage: Gott existiert. Es steht also unentschieden! Wenn ihr Recht habt, und es gibt wirklich keinen Gott, was wäre dann mit mir? Eigentlich nichts! Ich würde sterben, und alles wäre vorbei. Ich hätte hier vielleicht nicht alles ausgekostet, was man als unverzichtbar hinstellt. Aber ist das ein so großer Verlust? Wenn es Gott aber gibt, dann wäre alles, wirklich alles, für euch verloren! Ihr würdet sterben und müsstet dann vor Gott Rechenschaft ablegen. Oder glaubt ihr, dass sich Gott eure Ignoranz seiner Person gefallen lässt? Ihr habt dann zwar hier alles mitgenommen und trotzdem alles verloren!“

Das heißt also: Wer glaubt, dass Gott nicht existiert, landet - falls er oder sie sich irrt - automatisch in der Hölle, egal, was für ein Mensch er war. Ich halte mit folgender These dagegen: Gott beurteilt uns primär nach unseren Taten und er würde jeden Menschen, der im Namen seines Glaubens etwas Verwerfliches tun würde, in der Hölle schmoren lassen, wie er den Atheisten, der sich diesem Menschen in den Weg stellt, sofort ins Paradies lassen würde. Dabei ist es Gott denke ich egal, ob dieser Mensch vorher an ihn geglaubt hat oder nicht.


Ich glaube an Gott. Ich glaube aber auch, dass unser Verstand ihn (oder sie oder es) nie vollständig erfassen kann. Meinen persönlichen Zugang zu Gott habe ich über Jesus gefunden. Meiner Meinung nach sind solche Gottesbeweise wie die oben genannten absolut nicht stichhaltig. Es muss einfach jeder für sich selbst entscheiden, ob er glauben will oder nicht. Solange beide Seiten sich nicht gegenseitig aggressiv missionieren wollen und akzeptieren, dass es auch Menschen mit einer anderen Lebensphilosophie gibt, ist das vollkommen in Ordnung so.

Donnerstag, 16. Mai 2013

Cherry 2000 - Melanie Griffith als Actionheldin

Cherry 2000
Im Jahr 2017: Die Androiden-Ehefrau des erfolgreichen Geschäftsmannes Sam Treadwell hat nach dem Kontak mit Wasser einen Kurzschluss. Da er unbedingt wieder das Modell Cherry 2000 haben möchte, muss er die Trackerin E. Johnson engagieren, die ihn in "die Zone" führen soll, ein apokalyptisches Ödland, das von einem Mann namens Lester und seiner Gefolgschaft mit eiserner Hand beherrscht wird. Dort befindet sich nämlich laut Treadwells Informationen das letzte funktionsfähige Cherry 2000 Modell. Unterwegs lernt Treadwell, dass die ideale Frau eben nicht aus einer Ansammlung von Computerchips und Dioden, sondern aus Fleisch und Blut besteht...


Ich liebe es, mir Filme aus den 80ern anzusehen, die in der jetzigen Gegenwart spielen. Ist immer wieder interessant zu sehen, wie man sich unsere Jetztzeit damals vorgestellt hat. Besonders witzig finde ich die Szene, in der Laurence Fishburne als Anwalt die vertraglichen Bedingungen für einen One Night Stand zwischen zwei Barbesuchern aushandelt (und wenn ich so darüber nachdenke, sind wir - überspitzt formuliert - davon gar nicht so weit weg). Cherry 2000 von Regisseur Steve De Jarnatt war in den 80ern jedenfalls einer meiner Lieblingsfilme. Die Frage ist, ob der Film den nostalgischen Erinnerungen, die mich zum Kauf der DVD gebracht haben, auch standhalten kann.
Die Antwort lautet schlicht und einfach: Ja! Cherry 2000 ist auch heute noch sehr unterhaltsam, wenn auch zum Teil aus anderen Gründen, als das damals der Fall war. Heute erfreut man sich bei dem Film, dass er einfach dieses spezielle 80er Jahre Flair hat, das Nostalgiker wie mich anzieht wie das Licht die Motten.

Die Schauspielerinnen und Schauspieler in Cherry 2000
Dazu kommt, dass Melanie Griffith in der Titelrolle eine wirklich gute Figur macht, egal, ob es sich um die Actionszenen, die man ihr durchaus abkauft, oder die etwas leiseren Momente handelt. Außerdem finde ich sie einfach sympathisch. Pamela Gidley, welche die Cherry 2000 spielt, ist mir erst in der Jahre späer entstandenen Serie "The Pretender" aufgefallen, in der sie eine wiederkehrende Rolle spielte. Es amüsiert mich immer wieder, wie sie es mitten in der größten Schießerei schafft, so aszusehen, als ob sie auf dem Weg zum Picknickausflug nur mal eben falsch abgebogen wäre und den Rückweg nicht mehr findet. Tim Thomerson hat als durchgeknallter Lester ohnehin die Zeit seines Lebens, was er zeigt hat phasenweise schon etwas von Jeremy Irons in "Dungeons & Dragons". Einzig David Andrews wirkt als Sam Treadwell ein wenig blass.

Die Spezialeffekte in Cherry 2000
Natürlich kann man sich von einem B-Movie aus den 80ern keine Effektorgie erwarten. Das, was der Zuschauer zu sehen bekommt, ist aber trotzdem gut gelungen. Man merkt eben einfach einen Unterschied zwischen handgemachten Actionsequenzen und billiger CGI, da sind mir die älteren Filme immer noch lieber (jaja, gleich erzählt der Opa noch vom Krieg, schon klar).

Fazit zu Cherry 2000
Cherry 2000 ist unterhaltsamer kleiner Science Fiction Film, der einen ganz eigenen Charme besitzt. Von mir gibt es eine Empfelung, die nicht nur für alte Nostalgiker wie mich gilt.

Da es auf der DVD leider keine Extras gibt, poste ich hier mal das Making of, das ich auf YouTube gefunden habe:
 
 
P. S.: Im Film hat Cherry 2000 einen Kurzschluss, weil sie den Kontakt mit Wasser nicht verträgt. Wenn Wasser also so schädlich ist, wie wurde die Androidin dann eigentlich gereinigt? Oder hat unser Held jahrelang einen ungewaschenen Roboter gevögelt? Ewww..... ;)

Excision von Richard Bates Jr.

Excision
Die 18 Jahre alte Pauline lebt zusammen mit ihrer schwer kranken Schwester Grace und ihren Eltern. Pauline hat immer wieder blutige Wahnvorstellungen davon, eine Chirurgin zu sein, wobei diese blutig-perversen Visionen nicht die einzigen sind, die sie stimulierend findet. Ihre Familie kämpft schwer mit Paulines Wahnvorstellungen (von deren Existenz im Detail aber niemand wirklich etwas ahnt) und ihre Schulkollegen meiden sie wie die Pest. Als das Vorhaben "vorehelicher Sex" in einem Fiasko endet und der Gesundheitszustand von Grace immer schlechter wird, entwickelt Pauline einen Plan, der in seiner Ausführung nicht nur ihre Familie schockieren wird und den auch nicht alle lebend überstehen werden...

(Spoilerwarnung voraus) Ich sitze hier schon eine gute Viertelstunde vor meinem Computer und weiß nicht, wie ich diese Rezension beginnen soll (jaja, ich weiß schon, dass das so klingt, als würde ich gerade extrawitzig sein wollen und darüber schreiben, dass ich nicht weiß, worüber ich schreiben soll - ist aber nun einmal so). Excision ist ein dermaßen verstörend-perves-blutiger Film, dass ich jeden verstehen kann, der sagt, dass er nichts für ihn sei. Ein gutes Beispiel hierfür sind die Szenen, in denen Pauline von sich selbst als wunderschöne Chirurgin träumt und explizite Nekrophilie noch das Harmloseste ist, was man zu sehen bekommt. Man braucht also einen starken Magen, um die diversen Blut- und Sexeinlagen (gerne miteinander kombiniert), die dieser Film zeigt, zu überstehen. Wenn man das aber schafft, erwartet einen ein verdammt guter Film, der die psychischen Abgründe seiner Protagonistin nicht nur zeigt, sondern sich regelrecht in ihnen suhlt.

Die Darstellerinnen und Darsteller in Excision
Es ist mittlerweile doch relativ selten geworden, dass man in Horrorfilmen (zumindest, wenn man sich so viel Trash ansieht wie ich) wirklich gute Darsteller sieht. Traci Lords, der ich das nicht wirklich zugetraut habe, liefert als Paulines kaltherzig-emotionslose Mutter eine tolle Vorstellung ab. Ariel Winter bietet als Paulines Schwester Grace einen guten Kontrast zur Protagonistin. Die Entdeckung des Filmes ist aber AnnaLynne McCord in der Hauptrolle der Pauline. Ihre Leistung ist in meinen Augen oskarreif. Natürlich könnte man hier einwenden, dass das auch sehr viel mit der Maske zu tun hat aber es ist meiner Meinung nach ein gewaltiger Unterschied, ob man nur geschminkt vor einer Kamera herumhampelt, oder ob man diese Maske dann auch mit Leben erfüllen kann. Wirklich gut gefallen hat mir auch John Waters, der in seinen wenigen Szenen als Priester eine richtig gruselige Kinderschänder-Aura entwickelt (was auch daran liegen kann, dass ich John Waters prinzipiell für einen gruseligen Typen halte. Ganz ehrlich, ich muss nur ein Bild von ihm und seinem blöden Schnurrbart sehen und mir läuft es kalt den Rücken runter). Nur Malcolm McDowell und Ray Wise  sind ein wenig unterbeschäftigt, weil sie zusammengenommen vielleicht fünf Minuten zu sehen sind.
Erwähnenswert sind auch die extrem blutigen Effekte, besonders die am Ende und in den Traumsequenzen. Auch die Szene, in der Pauline einen Vogel seziert und sich dann dessen Blut von der Hand leckt, konnte ich mir fast nicht ansehen (und dass, obwohl ich in dieser Hinsicht einiges gewohnt bin).
Das bitterböse Ende passt sehr gut zum Film. Ich will euch hier nicht die Spannung verderben, daher nur so viel: Die Diskussionen auf IMDB, ob Paulines Schwester noch lebt oder nicht, finde ich doch ziemlich erheiternd.

Fazit zu Excision
Excision ist pervers, blutig, verstörend und intensiv. Er ist sicher nichts für zartbesaitete Gemüter. Excision ist aber vor allem eines: Ein verdammt guter Film.

Sonntag, 12. Mai 2013

Fetzer von Markus Heitz - Du bist untot, du bist ein Star!

Fetzer von Markus Heitz
München, im Jahr 2015. Seit dem Ausruch des Carnivor-Virus wandel Untote unter den Menschen. Die Medienindustrie sieht darin die Möglichkeit, neue Märkte zu erschließen. Splatterfilme mit echten Zombies und echten Metzeleien sind ein Renner und bescheren der Filmindustrie eine wahre Blütezeit. Nur die vom Seuchenschutz als "Zwangscarnivoren" bezeichneten Untoten, die ihre Triebe nicht unter Kontrolle haben, werden von staatlich unterstützten Spezialeinheiten bekämpft. Als jemand aus dem Team von Einsatzleiter Botschinski versehentlich einen der "Star-Zombies" der Fetzer-Filmstudios eliminiert, wird Botschinski und Co schnell klar, dass es weitaus gefährlichere und grausamere Gegner als die Zombies gibt...

Fetzer von Markus Heitz und Lausch
(Spoilerwarnung voraus) Wow. Ich bin mir nicht sicher, was ich erwartet habe, als ich "Fetzer" von Markus Heitz in der CD-Player legte, aber das war es ganz bestimmt nicht. Irgendwie war ich nach Der Fluch von Alcatraz und Die Nacht des Teufels  wohl so sehr auf Mittelmaß eingestellt, dass mich selbst der Name Markus Heitz, der einer meiner Lieblingsautoren ist, nicht dazu bringen konnte, meine Erwartungen irgendwie ein wenig zu erhöhen. Umso positiver war ich dann überrascht. "Fetzer" ist endlich einmal ein Zombie-Hörspiel, das von dem üblichen "Eine Gruppe Überlebender muss sich in einem Haus/Bunker/whatever gegen die untote Übermacht verteidigen" abweicht und mit den intelligenten Zombies zumindest einen Weg beschreitet, der (von den "Return of the Living Dead" Filmen abgesehen) noch nicht so oft beschritten wurde. Dass Zombies als Medienstars dargestellt werden und auch ihre Fans haben, war meines Wissens noch nie der Fall und die Idee hat mir sehr gut gefallen.
Großartig war auch die Umsetzung des Hörspieles des Hamburger Labels Lausch. Vor allem in den - teils sehr heftigen - Actionszenen krachen die Knochen der Zombies und der Menschen so realistisch, dass man die Schmerzen regelrecht fühlen kann. Ein gutes Beispiel hierfür ist - neben der Anfangssequenz - die Szene, in der Botschinski gemeinsam mit Mire vor der Masse von Untoten fliehen wollen, nachdem ihr komplettes Team umgebracht wurde und sie - zu spät - realisiert hatten, dass ihr Einsatz eine wohlüberlegte Falle der "Fetzer"-Studios war, die offenbar daraus ihren nächsten Kino-Kassenschlager machen wollen und das Ende des Hörspieles ist einfach nur wunderbar böse (ich werde aber den Teufel tun und es hier verraten).

Fetzer - Du bist untot, du bist ein Star: Die Sprecherinnen und Sprecher
"Fetzer" ist von seiner Machart her (die Hauptfigur Botschinski ist gleichzeitig der Erzähler) natürlich sehr von nur einem Sprecher abhängig. Was hin und wieder - wenn man es mit einem weniger talentierten oder unerfahrenen Menschen zu tun hat - zum Problem werden kann, wird mit der Zeit zum größten Vorteil dieses Hörspiels, denn Jürgen Holdorf trägt mit seiner ausdrucksstarken Stimme und seinem nuancierten Spiel die Handlung über die ganzen knapp 70 Minuten locker alleine.Unterstützt wird er dabei von einer SprecherInnenriege, die bis in die kleinsten Nebenrollen hinein mit wirklich guten Sprecherinnen und Sprechern besetzt wurde. Katharina von Haage als Mire, Wolfgang Berger als Eusebius und Uwe Hügle als Samowar stechen aus dem Cast ebenfalls positiv heraus.

Fazit zu Fetzer - Du bist untot, du bist ein Star
Dieses Hörspiel ist sehr unterhaltsam, spannend und die Geräuschkulisse wurde hervorragend umgesetzt. Von mir gibt es eine uneingeschränkte Empfehlung.

Sonntag, 28. April 2013

Geister-Schocker Folge 31 - Die Nacht des Teufels

Geister-Schocker Folge 31: Die Nacht des Teufels
(Synopse) Ein unbeschwerter Bootsausflug wird überraschend zum Albtraum! Ein heraufziehendes Unwetter macht eine Rückkehr in den sicheren Hafen unmöglich. Schnell muss ein geschützter Zufluchtsort gefunden werden und eine verlassene Siedlung tief im Netz der Kanäle scheint die Rettung für die kleine Reisegruppe zu sein. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse. Wer ist der im Wasser treibende, gesichtslose Tote? Und welches Grauen schleicht durch die verlassenen Ruinen im Wald?

Geister-Schocker Folge 31 - Die Nacht des Teufels
(Spoilerwarnung voraus) Mit Folge 31 haben wir hier - wie zuvor Der Fluch von Alcatraz - wieder eine Folge, bei der man als Autor "Frederic Sinclair" (ein Verlagspseudonym nehme ich an) eingetragen hat. Die beiden Hörspiele teilen sich aber nicht nur den gleichen Namen, sondern zu einem guten Teil auch die gleichen Probleme. Wieder gibt es einige herrlich sinnlose Sequenzen, die unter das Motto "Dumme Leute tun dumme Dinge, um die Spannung hoch zu halten" fallen. Beispiele gefällig?
Da erfahren unsere Helden, dass draußen der Teufel auf sie wartet und mit ihnen um ihre Seele spielen will. Dass die Spielregeln dabei nicht unbedingt zugunsten der Protagonisten ausfallen dürften, liegt auf der Hand, schließlich gibt es zu diesem Zeitpunkt schon zwei Tote zu beklagen. Zwar gibt es, wenn man den Teufel schlägt, eine tolle Belohnung, aber die Aussicht, dass einem von seiner übernatürlichen Hundebestie das Gesicht weggefressen wird, wenn man verliert, sollte einen halbwegs vernünftigen Menschen doch davon, abhalten, sich freiwillig mit dem Satan einzulassen, aber genau das passiert. In der Sekunde, in welcher die Protagonisten das Wort "Belohnung" hören, macht einer von ihnen gleich mit seiner Freundin Schluss, kündigt an, jetzt reich zu werden und verlässt die Hütte, denn schließlich wäre er ja ganz doll durchtrainiert und würde den Teufel sicher besiegen. Dass es theoretisch auch sein könnte, dass die beiden Toten gegen den Teufel bei einer Partie Schach ihr Leben gelassen haben und dass es selbst für sportliche Zeitgenossen eher schwierig sein dürfte, den verdammten Teufel in einem Wettkampf zu schlagen, fällt dem Herrn natürlich nicht ein. Entsprechend blutig ist dann das Ergebnis.
Das ist aber noch gar nicht der Höhepunkt der hier gebotenen Dummheit. Man stelle sich vor, dass einem von der besten Freundin gesagt wird, dass die eigene Lebensgefährtin mit gebrochenem Genick unten im Keller liegt, weil ein Zombie, der soeben auferstanden ist, ihr den Hals umgedreht hat. natürlich rennt man sofort runter und findet die Ärmste mit unnatürlich verdrehtem Kopf auf dem Boden liegend vor. Was würdet ihr in so einer Situation sagen? Vielleicht sowas wie "Oh Gott, Franziska!!!" oder "Neiiiinnn!!!"? Was sagt unser Held? Genau, "Sag doch etwas!", weil die Gute mit gebrochenem Genick bestimmt redseliger ist als zuvor. *kopftriffttischplatte* Es wird sogar noch besser. Franziska kommt als Zombie die Treppe hochgewankt. Ihrem Lebensgefährten kommt es nicht etwa komisch vor, dass seine gerade noch tote Freundin nun wieder vor ihm steht und dabei komische Laute vor sich hin gurgelt (wie Sprecherin Sonita Sodhi einen Zombie spielt ist auch herzallerliebst - sie klingt wie Papa Schlumpf beim Masturbieren, obwohl sie sonst keine schlechte Leistung abliefert). Nein, er freut sich richtiggehend und sagt (sinngemäß): "Geht es dir wieder gut?" Klar, weil ein gebrochenes Genick ja auch gar nicht tödlich ist, du gottverdammter Trottel. Natürlcih verwechselt er (anscheinend) Franziskas tödlichen Angriff mit einer liebevollen Umarmung und geht dabei drauf. Ich bin dafür, einen Darwin Award für fiktive Charaktere einzuführen, und ihn an Philipp Horn (so heißt der gute Mann) zu verleihen.
Die nächste interessante Frage wäre der Verbleib von Emma Joons. Emma ist der Zombie, der sich in dem Keller des verlassenen Hauses (das früher ihres war), in dem unsere Protagonisten Unterschlupf finden, aus dem Keller gräbt und Franziska tötet. Danach...verschwindet sie, obwohl es im Verlauf des Hörspieles um genau den Pakt geht, den sie mit dem Teufel abgeschlossen hat. Hat die Zombiebraut sich aus dem Keller teleportiert und spielt jetzt als Requisit in billigen Filmen mit, oder was ist mit ihr passiert?
Ein paar Worte noch an die Menschen, die für das Booklet zuständig sind: Könntet ihr in Zukunft bitte checken, ob die Namen der Sprecher richtig geschrieben wurden? Da wird schon einmal aus Sara Kelly-Husain eine Sara Kelly-Schulze und ob Sonita Sodhi nun Sonita Sodhi oder doch Sonita Sohdi heißt, scheint euch auch nicht klar zu sein. Bei letzterer könntet ihr übrigens beim nächsten Mal auch ein etwas weniger pixeliges Foto verwenden. Es tut mir leid, wenn ich auf solchen Kleinigkeiten herumreiten muss, aber ich finde solche Fehler (vor allem falsch geschriebene Namen) immer besonders peinlich.

Die Nacht des Teufels: Die Sprecherinnen und Sprecher
In anderen Rezensionen (vor allem bei Amazon) wird den Sprecherinnen und Sprechern dieser Folge der Reihe gerne vorgeworfen, dass sie hier besonders hölzern klingen würden. Ich will die Leute hier zumindest teilweise rechtfertigen: Sie spielen gegen ein Skript an, das ihnen einfach keine Chance lässt, ihre (wenn ich nach anderen Hörspielen mit ihnen gehe durchaus vorhandenen) Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Das gilt auch, wenn die hier ebenfalls als Sprecher tätigen Tom Steinbrecher und Detlef Tams als Regieführende durchaus ihren Teil zur Misere beitragen und ersterer als Teufel, sowie Johanna Hanf als Emma Joons nicht wirklich viel zu tun haben.

Die Nacht des Teufels: Fazit
Für Trashfreunde könnte "Die Nacht des Teufels" aufgrund der unfreiwilligen Komik durchaus interessant sein. Für alle anderen gilt: Finger weg!

Samstag, 27. April 2013

Geister-Schocker Folge 34 - Der Fluch von Alcatraz

Geister-Schocker Folge 34 - Der Fluch von Alcatraz
(Synopse) Als Glen Dearing, Phil Taylor und Jaden Collister der ungewöhnlichen Einladung der Firma Alcatraz Cruises zur Besichtigung der ausrangierten Gefängnisanlage Alcatraz in San Francisco folgen, ahnen sie nicht, in welches teuflische Spiel sie geraten. Schon seit geraumer Zeit gibt es Gerüchte über mysteriöse Vorgänge im stillgelegten Zellenblock D, der ehrfürchtig nur "The Hole" genannt wird. Immer wieder soll es zu Phänomenen gekommen sein. Doch was hat es damit auf sich und warum erhielten diese drei Männer eine Einladung?

Geister-Schocker Folge 34 - Der Fluch von Alcatraz
(Spoilerwarnung voraus) Ich muss an dieser Stelle einmal eine Lanze für die Geister-Schocker Reihe von Romantruhe Audio brechen. Die Serie hat es mit Leichtigkeit geschafft, meine alte Liebe zu Grusel-Groschenromanen wieder zu beleben. Die schönen, altmodisch-trashigen (und nicht immer ganz logischen) Geschichten begeistern mich heute genauso wie in meiner Kindheit. Leider kann Folge 34 nicht ganz mit den anderen Episoden mithalten. Das liegt vor allem daran, dass die Geschichte nicht durchdacht wirkt und überhaupt keinen Sinn ergibt, wenn man einen zweiten Blick darauf wirft. (also noch weniger als sonst). Einige konkrete Knackpunkte führe ich hier einmal als Beispiele auf:
Die drei oben angesprochenen Männer erfahren von der Reiseleiterin, dass diese erpresst wird. Ihr Erpresser möchte, dass sie mit dem Trio Zellenblock D einen Besuch abstattet. Sie erzählt, dass sie dort schon eine übersinnliche Erscheinung hatte, als sich ein paar Touristen dort spaßhalber in eine der Zellen eingeschlossen hatten. Dann kamen die Geister der Insassen dieser Zellen (es handelte sich dabei um Frank Morris, John Anglin und Clarence Anglin, die in den 60ern mit einem aus Regenmänteln gebastelten Boot von der Insel fliehen wollten und seither vermisst werden). Was machen unsere Protagonisten? Sie besuchen mit der Reiseleiterin den Zellenblock und lassen sich auch in die Zellen einsperren, denn schließlich sei exaktes Nachspielen des Vorfalles der einzige Weg, wie man das Rätsel lösen könnte. Dass es eventuell hinderlich sein könnte, wenn man in einer abgeschlossenen (!) und ausbruchsicheren Gefängniszelle sitzt, während man versucht, etwaigen Geistern zu entkommen, fällt unseren Helden nicht ein.
So richtig sinnlos wird die Geschichte aber erst durch das Ende. Da erklärt ihnen die Reiseleiterin, die in Wahrheit natürlich eine gar garstige Meerhexe ist, dass man drei berühmte und respektable Persönlichkeiten haben wollte, damit diese dann als Körper für die Geister der oben genannten Ausbrecherkönige dienen können. Aber warum werden die anderen Passagiere dann mit Schlafmitteln im Essen betäubt und so unter Drogen gesetzt, dass sie sich später an nichts erinnern können, um anschließend schlafend in einem Park von San Francisco abgelegt zu werden, wo sie dann ein Jogger gefunden hat. Wie hat man eigentlich mehr als ein halbes Dutzend schlafender Leute unbemerkt vom Hafen in den Park gebracht? Wieso bringen die Meerexe und die drei wieder auf der Erde wandelnden Verbrecher die beiden Seeleute um, die das Boot gesteuert haben? Wäre es nicht besser gewesen, die vier hätten sich einfach mit den anderen ins Boot gesetzt und wären unauffällig in Richtung Festland aufgebrochen? Außerdem ergibt die Sache mit dem Gedächtnisverlust auch keinen Sinn und zwar aufgrund der Einladungsliste, die von den beiden Seeleuten am Anfang erwähnt wird. Man hat ihnen nämlich von Alcatraz Cruises eine Passagierliste zukommen lassen, auf denen NUR die Namen der drei Eingeladenen stehen (die anderen sind normale Touristen). Meine Frage dazu: Welchen Sinn hat es, den anderen das Gedächtnis zu nehmen, wenn zumindest eine Person (nämlich diejenige, welche den Seeleuten die Liste zukommen ließ) weiß, dass die drei an Bord waren? Ganz zu schweigen davon, dass zumindest eines der drei Opfer Angehörige haben könnte, denen es im Vorhinein von der Fahrt erzählt haben könnte.
Einen anderen Grund, außer, dass niemand wissen soll, dass die drei an Bord waren, kann es für die Aktion übrigens nicht geben, da die Betäubung schon lange vor der Geisterbeschwörung - von der die wachen Seeleute übrigens bis auf ein bis zwei Schreie (die sie mit "Warten wir ne Viertelstunde, wenn die schreiende Person dann nicht zum Boot gekommen ist, fahren wir los" quittieren - auch sehr nett) nichts mitbekommen haben - stattgefunden haben muss. Wie gesagt: Einfach ins Boot setzen und mit den anderen fahren wäre wohl die bessere Wahl gewesen. Denn selbst wenn die wachen Passagiere die Schreie auch gehört hätten, hätte man ihnen einfach sagen können, man habe nichts gehört und alles wäre in Ordnung.

Fazit zu "Der Fuch von Alcatraz"
Folge 34 der Geister-Schocker krankt daran, dass die Macher die Geschichte schlicht und ergreifend nicht durchdacht haben. Da retten auch die tolle Soundkulisse und die guten SprecherInnen - vor allem Karen Schulz-Vorbach kriegt ihre Wandlung von der Reiseleiterin zur Meerhexe sehr gut hin - leider nicht mehr viel.